Bist Du aber hartnäckig!

Bei dieser Firma habe ich meine 3 jährige Ausbildung im Jahr 1985 zum Dreher angefangen und 1988 mit Erfolg abgeschlossen. Nach der Ausbildung wurde ich in ein Arbeitsverhältnis übernommen. So kam ich von NüW1 nach NüW2 (Nürnberg Werk2). Die ersten 1½ Jahre schaffte ich als Maschinenarbeiter im Akkord. Ich begann schließlich 1989 eine Fortbildung zum staatlich geprüften Maschinenbautechniker an der Rudolf Diesel-Fachschule in Nürnberg. Der ganze Spaß war nur Abends und Samstags, dauerte aber auch nur müde 4 Jahre. Langweilig ist es auf jeden Fall nicht geworden! Irgendwie kam ich 1991 dazwischen noch zum Nachwuchseinsteller und dann zum Einsteller.

Anker Bosch
Nürnberger Werk 2
Wappen

Super Laufbahn bis dahin. Eines Morgens 1993 kam mein alter Meister zu mir und sagte in der typischen lang-drum-rum-Gerede Sprache, daß ich für diese Abteilung nicht mehr tragbar sei. Er konnte mir jedoch einen Vorschlag für eine andere Abteilung mit komplett anderer Fertigung unterbreiten. Man sollte es nicht glauben, aber ich hatte mich innerlich sehr darüber gefreut. Diese neue Abteilung ist auch heute noch meine Arbeitsstätte. Die meisten Kollegen sind in Ordnung, keinerlei Mobbing!!

Die großen Vorgesetzten, sprich Meister und FET`s, sind ebenfalls super drauf. Wir sind alle per "DU". Konflikte mit der Kompetenz gibt es deswegen aber keine. Zumindest bis jetzt. Meine direkten Arbeitskollegen sind auch echt dufte drauf. Wir sind 6 Einsteller (hast recht Harry), davon auch einige gute Freunde. Kaum zu glauben, was?

Irgendwie gelangweilt und etwas demoralisiert, fing ich wieder mit Abendschule an. Aber diesmal sollte es etwas sein, was mir auch wirklich Spaß macht und Freude bringt. Da ich damals bereits vor der Entscheidung stand, entweder den Techniker oder Wirtschaftsinformatiker zu erlernen und mich aufgrund eines Freundes für den Techniker entschied, wollte ich nicht noch einmal den selben Fehler machen und etwas lernen, wo ich nicht voll dahinter stehe. Das konnten nur Programmiersprachen wie C, C++ und so etwas sein. Merkwürdigerweise habe ich aber nun die einmalige Möglichkeit, in der Firma auch eine Chance als Programmierer für NC- und CNC-Maschinen zu bekommen. Davon hätte ich Anfang`97 nicht einmal zu träumen gewagt.

Heute lach ich allerdings auch da nur müde drüber. Jemanden, der sich auf dem » Aussteigertrip« befindet, kann man doch schlecht einen Verantwortungsvollen Job anvertrauen. Das ist meine Interpretation über ein Gespräch mit meinem Chef.

Wir werden sehen,
was die Zukunft an
Ereignissen für meine
Kollegen und mich noch
bringen wird.
Zukunftsaussichten

So gegen Ende April konnte ich noch einmal mit ihm reden, mein Gefühl sagte mir, daß ich meine Chance bald bekommen werde. Einen Monat später pfeiften die Spatzen schon Gerüchte in den Katakomben der Firma. In der letzten Woche vor Pfingsten '99 warf ich einen Blick auf die Schichteinteilung vom Monat Juni. Voller Freude konnte ich dort Schwarz auf Weiß lesen, daß ich für den ganzen Monat nicht in der Werkstatt anwesend bin. Am 25. Mai '99 werde ich hoffentlich zu einem klärenden Gespräch zu meinem direkt Vorgesetzten geordert werden, da es in der Nachtschicht auch schwer möglich wäre.

Die Infos habe ich mir dann doch selber geholt. Das Ziel sah so aus, daß ich bei einem großen Projekt (Neuanläufe aus Frankreich), Programme für Maschinen schreiben könnte. Doch leider stellte sich heraus, daß ich "nur" meine Erfahrungen als Einsteller mit einbringen und die (von einem Ferienarbeiter erstellten Programme) einfahren sollte (sorry Christian, nichts gegen Dich persönlich!).

Ich biss mir jeden Tag doppelt und dreifach auf die Zähne und spielte das Spiel mit. Sogar auf zwei Tage meines Urlaubs habe ich verzichtet und bin noch an meinem 30. Geburtstag 10± Stunden in der Arbeit gewesen. In den zwei Tagen ist zwar nicht alles Planmäßig verlaufen, aber das war mir dann auch schon ......egal, zumal ich mit einer dicken Erkältung zu kämpfen hatte.

Ende Oktober ist es Mittlerweile und eine erfreuliche Nachricht, daß mein "gesicherter" Arbeitsplatz im Büro schon fest stand, wurde auch schon wieder überholt. Ich soll mir den Platz mit einem Studenten teilen. Das ist in etwa so, als man sich ein gemeinsames Auto teilen muß, jedoch der eine nach Italien und der andere nach England zur selben Zeit fahren will. Wird wohl kaum funktionieren :-(!

Von dem her, läuft also doch noch einiges erheblich im Ungewissen. Erfreuliches ist aber auch in Aussicht. Mit den Neuanläufen werden wir in den nächsten Tagen (44. KW) wohl fertig werden. Dann habe ich endlich wieder Zeit, um mich über anderen Tätigkeiten in meiner Stammwerkstatt zu widmen. Mitunter soll auch hier eine neue Maschine Anfang 2000 geliefert werden, wo ich mich wieder beim Neuanlauf mit einbringen kann.

An der Abnahme dieser neuen Maschine konnte ich einiges zur Unterstützung beitragen, auch wenn es eher bescheiden war, hat es mir doch sehr viel Spaß gemacht und neue Erfahrungen mit sich gebracht. Es wird noch weitere Programme zum Ändern geben, die in etwa 6 Monate Zeit benötigen und mir sicherlich einige Haare kosten werden.
Eine feste Stellung und Arbeitsplatzbeschreibung habe ich allerdings noch immer nicht. So braucht man mir auch nicht mehr Geld bieten.

Seit dem 14.03.00 bin ich bis auf weiteres krankgeschrieben und habe sogar am 16.05.00 einen Antrag auf Rente (mit verminderter Erwerbsunfähigkeit) gestellt. Noch ist es ein schwebendes Verfahren, was erst durch den Bescheid geklärt werden wird.

Der Knoten ist durch einen zwischenzeitlichen Anruf durch einen Vorgesetzten am 22.05.00 geplatzt. Hier machte man mir die Situation wieder deutlicher, wodurch sich durch meine Abwesenheit eine Menge an Arbeit angesammelt haben soll und ich, sofern ich noch "Bewegungsfähig" sein sollte, gerne zur Ausführung meiner Tätigkeiten wieder antreten könne.

The time goes on and the future are uncertain, ......!!

Fortsetzung folgt ??

So sah es noch bis zum 30.08.2000 aus. Aber am 31.08. erhielt mit der Morgenpost meinen Rentenbescheid, der auch diesem ganzen Kampf ein ENDE setzt. Vermutlich wissen oder ahnen erst jetzt einige Kollegen und Vorgesetzte, wie Ernst und manches Mal auch hoffnungslos ich mir im alltäglichen Beweisen vorkam, aber es soll keinesfalls als eine Entschuldigung von mir dienen. Höchstens, den ein oder anderen zum Denken anregen.
© 2000, Andreas Mautschke

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